Artikelnummer: 978-3-943288-29-2

In der franz. Fremdenlegion 1894-1898

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Seit über 100 Jahren in Frankreich und in französischen Kolonien im Einsatz – die Fremdenlegion: Karl Waldner gibt mit seinen Aufzeichnungen detailreiche Einblicke in seine Dienstzeit von 1894 bis 1898 in Indochina (Tonkin), Algerien und Frankreich.
Der „Adjutant“ Waldner berichtet aus der Perspektive eines Soldaten, der sich mit der militärischen Formation der Fremdenlegion und ihren damaligen Einsätzen vertraut machen musste. Sein Haupteinsatzgebiet Tonkin, das heutige nördliche Vietnam, galt zu seiner Zeit als an China angrenzende Konfliktzone. Hier kämpfte Waldner in erster Linie gegen die sogenannten Pavillons Noirs, Verbände aus Vietnamesen und Chinesen, die in großer Zahl auftraten und das Gebiet entlang der chinesischen Grenze kontrollierten.
 
Für den Zeitraum von 1880 bis zur Jahrhundertwende lassen sich nur etwa zwei Dutzend Legionärsmemoiren in den deutschen Bücherverzeichnissen nachweisen. Die meisten Berichte hinterließen keine Spuren in den Bibliotheken. 
Durch die Herausgeber Dr. Eberhard O. Speer, verantwortlich für die Transkription der handschriftlichen Aufzeichnung von Karl Waldner, und Dr. Ivika Rühling, welche die Texte (auch fremdsprachige Zitate) für die gemeinsame Überarbeitung digitalisierte, wird ein zeitgeschichtliches Dokument bewahrt und Interessierten zugänglich gemacht.
 
Eine Erläuterung und präzise geschichtliche Einordnung des historischen Dokuments von Waldner liefert Dr. Eckard Michels, Verfasser des Standardwerks Deutsche in der Fremdenlegion 1870–1965.
 
 
Leseprobe
 
[...] Karl Waldners Aufzeichnungen aus der Fremdenlegion – eine Einführung von Dr. Eckard Michels
Der badische Maurer Karl Waldner hat detaillierte und aufschlussreiche Aufzeichnungen über seine Zeit als Fremdenlegionär von 1894 bis 1898 in Frankreich, Algerien und Vietnam hinterlassen. Sie liegen nun, mehr als ein Jahrhundert nach ihrer Niederschrift, erstmals als
Buch vor. Waldner war einer von mehr als 100 000 Deutschen, die im 19. und vor allem im 20. Jahrhundert in der berühmt-berüchtigten französischen Fremdenlegion gedient haben. Während in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreiche ehemalige deutsche Legionäre ihre Memoiren aus der Zeit ihres Dienstes nach 1945 veröffentlicht haben, sind derartige Berichte aus dem 19. Jahrhundert seit langem allenfalls noch antiquarisch erhältlich.
 
Waldner gewährt dem Leser einen Binnenblick auf die Fremdenlegion, erzählt er doch aus der Perspektive eines Soldaten, der mit dieser militärischen Formation und ihren damaligen Einsätzen vertraut war. Zudem ist die Schilderung seiner Erlebnisse stark von den damaligen Diskursen im Deutschen Kaiserreich über Frankreich und die Fremdenlegion geprägt. Denn kein Autor schreibt unbeeinflusst vom gesellschaftlichen Klima und den moralischen Vorstellungen der Zeiten, in denen er lebt. Man muss daher sicherlich Abstriche hinsichtlich der historischen Zuverlässigkeit des Manuskriptes machen. Doch nicht zuletzt durch diese keineswegs „objektive”, sondern naturgemäß zeitgenössischen Einflüssen unterliegende „subjektive” Sichtweise sind Waldners Erinnerungen eine interessante historische Quelle. Diese Einführung soll dem Leser helfen, die Aufzeichnungen besser zu verstehen und historisch einordnen zu können.
 
Waldner: [...] Saigon ist prachtvoll angelegt, was den europäischen Stadtteil betrifft. Schöne Paläste, vorzüglich das Postgebäude und die schöne Kathedrale. Die Kasernen sind prachtvoll und vollständig der Tropengegend entsprechend angelegt. Sie sind nach 2 Seiten offen und können nur des Nachts oder des Mittags, während der Mittagsruhe, durch Herablassen von Rollos geschlossen werden. Die Hitze ist hier kolossal, und bei schwerer Strafe ist es verboten, mit unbedecktem Haupte die Kaserne – und wenn nur auf Minuten – zu verlassen, da ein Sonnenstich unvermeidlich wäre und hier fast jedes Mal mit dem Tode oder doch so, daß der Betroffene dem Wahnsinn verfällt, zu rechnen ist.
 
Der von den Eingeborenen bewohnte Stadtteil dagegen [MS 118] strotzt vor Ungeziefer und Unsauberkeit, da sie in Hütten wohnen, welche nur ein Gemach haben. So mußten auch die Haustiere wie Schweine, Büffel, Hunde, Katzen, Hühner, Enten und sonst allerhand in ein und demselben Gemache ihren Aufenthalt haben. Ein Bett oder eine Decke kennt der Annamite nicht. Auf dem Boden der Hütte, oder wenn die Hütte im Wasser steht, wird eine Bambuspritsche aufgestellt, und darauf legt sich der Annamite mit seinen Frauen und Kindern, alle durcheinander. Die Männer sind zu jeder Arbeit zu faul, und die Frauen müssen den Reis pflanzen, das einzige Getreide, das der Annamite genießt. Überhaupt alle Arbeiten verrichten die Weiber. [MS 119] Die Männer sitzen den ganzen Tag beisammen und spielen und rauchen Opium, bis sie voll und toll sind. Dann legen sie sich hin und schlafen den Opiumrausch aus, um anderntags wieder von vorne anzufangen. Nur die ganz Armen verdingen sich an die Europäer als Diener.
 
[...] Nun begann der Tag zu grauen. Ein Schuß ertönte als Signal für allgemeines Vorgehen, und wie im Kasperltheater erhoben wir uns aus [MS 167] dem Schlamm, in welchem man bis an die Knie einsank, und gingen mit schußbereitem Gewehr gegen das Dorf vor. Auf den Schuß hin war es, als hätte ein Blitz ins Dorf eingeschlagen. Alles ergriff die Waffen, die Weiber riefen: Chim-chim Buddha capitaine Longsa, schossen aber nichts desto weniger auf uns. Ein Entrinnen war unmöglich, immer enger schloß sich der Gürtel, unter dem heftigsten Feuer hatten wir auf einer Seite die Bambuspalisade erreicht, während auf der andern Seite die dort aufgestellten Leute nur langsam vordrangen, indem die Piraten auf dem Fluß mit Pirogen zu entfliehen suchten, was unter allen Umständen verhindert werden mußte. Unsre tirailleurs hatten schnell mit dem rup-rup eine Bresche gehauen und nun drangen wir, [MS 168] ich mit sergent Herminier und einem Italiener namens Bonifacio, als die Ersten in das Dorf ein. Mit welcher Erbitterung hier gekämpft wurde, ist kaum zu beschreiben. Möge nur Nachstehendes als Beispiel dienen. Ich drang mit einem tirailleur in eine der Hütten ein, aus welcher das heftigste Feuer gegen uns unterhalten wurde. Mit einem Fußtritt sprengte ich die Bambustür, aus welcher auch sofort 2 Schüsse krachten und einem caporal-tirailleur das Lebenslicht ausbliesen. Nun kannte meine Wut auch keine Grenzen mehr, und mit Bajonett und Kolben wütete ich unter den Megären, denn es waren lauter Mädchen und Weiber, die sich nicht ergaben, und so ließ ich die tirailleurs ihre Arbeit mit dem [MS 169] rup-rup vollenden. Einer einzigen machte ich mit einem gut gezielten Schuß ein Ende, da dieselbe auf mich anlegte und eine Sekunde später ich ihrer Rachgier zum Opfer gefallen wäre.
Nun rückten inzwischen die anderen Truppen ein und es begann das Durchsuchen der Hütten, was sich reichlich lohnte. Außer den Verwundeten, welche über 100 Männer waren, brachten wir eine Masse Gewehre, Patronen, rup-rup und gestohlene Mädchen zum Vorschein. Letztere dankten uns mit Tränen in den Augen für ihre Rettung, denn sie waren schrecklich zugerichtet.
 
 

Autor:  Karl Waldner

Herausgeber:  Dr. Eberhard O. Speer, Dr. Ivika Rühling

Einführung:  Dr. Eckard Michels

Rubrik:  Sachbuch - Biografie

ISBN:  978-3-943288-29-2

Einband:  Softcover

Format:  DIN A5

Seitenzahl:  156

Abbildungen:  6

Auflage:  1. Aufl. Juli/2017 

 

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